Vom Zuschauerraum über die Bühne bis in den Theaterkeller

2016 TheaterfahrtExkursion des P-Seminars „Theater“ ins Münchner Volkstheater

Wir, das P-Seminar „Theater“ unter der Leitung von Frau Oguntke, haben es sich zum Ziel erklärt, in diesem Schuljahr gemeinsam mit eifrigen Fünftklässlern des Werdenfels-Gymnasiums ein Theaterstück zu inszenieren. Um dafür erste Impulse zu bekommen und den Theateralltag hinter der Bühne hautnah miterleben zu können, brachen wir daher am 06.10.2016 voller Erwartungen ins Münchner Volkstheater, unserem externen Partner dieses Projekts, auf.

Gleich bei unserer Ankunft im Theater wurden wir herzlichst begrüßt von der dortigen Disponentin, Katharina Osterhammer, die sich extra für uns Zeit genommen hatte, um uns eine Einführung in die Welt des Theaters zu geben. Zu Beginn unserer Führung bekamen wir dabei einen Einblick in geschichtliche Fakten: So erfuhren wir beispielsweise, dass das Theater 1983 am Stiglmaierplatz mit seinen 609 Sitzplätzen durch die Stadt München ermöglicht und eröffnet wurde. In den Stücken spiegelte sich anfangs vor allem die bayrische- österreichische Volkstheatertradition wider. Spenden vom begeisterten Publikum ermöglichten in den 50ern dann den Umzug in die Mehrzweckhalle im Haus des Sports in der Brienner Straße, wo das Theater auch heute noch lokalisiert ist. In genau diesem Theater waren dann zahlreiche berühmte Schauspieler auf der Bühne: Nicht zuletzt prägte Ruth Drexel, auch bekannt als „Filmmutter vom Bullen von Tölz“, das Theater.

 

Eine große Bereicherung für dieses wurde, neben dem Künstlerischen Direktor Frederik Mayet, jedoch der Oberammergauer Christian Stückl, der seit 2002 dessen Intendant und Geschäftsführer ist. Er gab dem Münchner Volkstheater einen neuen Wind, modernisierte die Stückauswahl und bietet ebenso jungen Menschen fortan die Möglichkeit, in ihrer Schauspielertätigkeit ernst genommen zu werden und erste Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten können, zu wagen. So bereist ein Team des Volkstheaters etwa ganz Deutschland, um innovative Stücke junger Schauspieler nach München zu holen. Hin und wieder kommt es auch vor, dass ein Schausteller vom Rundfunk oder Film beziehungsweise Fernsehen entdeckt wird, und sich dadurch ganz neue Türen für ihn öffnen. Ein Schauspielerleben kann jedoch sehr anstrengend sein: Die Darsteller haben zum Beispiel nur eine kurze Sommerpause und in der restlichen Zeit proben sie mindestens fünf Tage in der Woche, und zwei Wochen vor dem Auftritt kann es schon einmal sein, dass sie nicht einen einzigen freien Tag haben und tief in die Nacht hinein geprobt wird.

Auch einen Blick hinter die Kulissen wollten wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen. So sahen wir etwa neben dem Orchestergraben das beeindruckende Bühnenbild zu Bertolt Brechts Stück „Die Dreigroschenoper“, das am Abend unseres Besuches gespielt werden sollte. Nach einem Abstecher zur kompletten Technik und in den Theaterkeller mit seiner Lagerung unterschiedlichen Bühnenbaumaterials ging es darauf weiter zur Maske: Lisa Müller, die stellvertretende Leiterin dieser Abteilung, führte uns durch ihren Bereich und zeigte uns ihre zu diesem Zeitpunkt fertigzustellenden Elfenohren, die sie modellierte. Erstaunlich für uns war hierbei, wie detailliert in diesem Bereich gearbeitet wird. Falls Perücken oder Bärte in einem Stück erforderlich sind, werden diese mit höchster Präzession angefertigt, erklärte Frau Müller uns. Dabei wird jedes Echthaar – meist aus Indien stammend - einzeln verknotet, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, aber eine durchaus meditative Arbeit sein kann.

Anschließend statteten wir der Schneiderei einen Besuch ab, in der alle Theaterkostüme auf Maß gemacht werden. Margit Faigle, die dortige Abteilungsleiterin, berichtete uns, wie die Umsetzung von einer Idee auf dem Skizzenblatt zum vollendeten Gewand gelingt. Im Hintergrund arbeiteten dabei zirka sieben Schneiderinnen und Schneider schon fleißig an Kostümen für das anstehende Stück, „Der Sturm“ nach William Shakespeare und unter der Regie von Christian Stückl. Die letzten Stationen unserer Exkursion waren schließlich die umfangreiche Garderobe und der Requisiten-Raum, wobei wir feststellen durften, dass es in diesen beiden Räumen wohl nichts gibt, was es nicht geben könnte.

Um ein perfektes Theaterstück auf die Beine zu stellen, so erfuhren wir an diesem Tag, muss alles passen - nicht nur auf der Bühne, sondern natürlich auch hinter dieser, quasi außerhalb des Scheinwerferlichts. Theaterarbeit ist also eine absolute Teamarbeit, bei der jeder bestmöglich seine Aufgabe zu erfüllen hat, damit es gut werden kann! Von all dieser Anstrengung sollte der Zuschauer während seines vergnüglichen Theaterabends im Idealfall allerdings nichts mitbekommen! Solch ein Abend steht etwa am 28.10.2016 an: Hinter den Kulissen wird es ernst, denn das Drama „Und jetzt: Die Welt!“ von Sybille Berg und unter der Regie von Jessica Glause wird aufgeführt, und wir, das P-Seminar „Theater“ mit Frau Oguntke, haben die Ehre, es diese Mal entspannt vom Zuschauerraum aus besuchen zu dürfen.

Letztendlich lässt sich zu dieser Theaterexkursion folgendes Fazit ziehen: Dank dieser Perspektive hinter die Kulissen beziehungsweise durch einen Blick auf die vielfältigen Aufgabenbereiche eines Theaters konnten wir einen ganz anderen Blick auf den Alltag eines Theaters gewinnen. Dieser wird zwar im Idealfall mit dem Schlussapplaus des Publikums in der Premiere belohnt, hat aber eine sehr lange und arbeitsintensive Vorgeschichte. Nicht zuletzt durch diese Erfahrung konnten wir sehr viel Lehrreiches für unsere eigene Theaterprojekt mitnehmen. In jedem Fall aber sind wir für diese nun hochgradig motiviert und wollen zumindest ansatzweise den Profis des Volkstheaters nacheifern!

Zum Abschluss wollen wir uns natürlich herzlichst beim so netten Volkstheater-Team bedanken, allen voran bei Frau Osterhammer für ihre interessante, mitreißende und geduldige Führung. So wünschen wir diesem Theater weiterhin ganz viel Erfolg bei seinen Produktionen und immer ein volles Haus. Wir werden bestimmt – auch über unseren bereits geplanten Theaterbesuch hinaus – immer wieder sehr gerne in dieses tolle Theater kommen!

Jenny Schauer, Q11